Lesung mit Daniel Kulla: „Entschwörungstheorie“

Di 14.12.08 ~ 20:00 Uhr

Die Illuminaten sind entzaubert – Niemand regiert die Welt. Doch Verschwörungstheorien können gefährlich werden, wenn sie ein Erklärungsmuster bieten, das im momentanen gesellschaftlichen und politischen Klima gerade gut ankommt. Dann werden solche Theorien zum Allgemeingut und auch von breiten Schichten der Bevölkerung geglaubt. Aktuelles Beispiel wären die millionenfach gelesen Theorien zu den 9/11-Anschlägen auf das World-Trade-Center. Ein beklemmend erfolgreiches Beispiel ist der Antisemitismus der Nationalsozialisten. Er enthielt eine klassische Verschwörungstheorie, die schliesslich zum Holocaust führte. Aber auch wenn man im Bekennerschreiben zu den Anschlägen in London vom 7. Juli 2005 liest, dass die Attentäter von der „zionistisch kontrollierten britischen Regierung“ sprechen, so ist das ein uralter verschwörungstheoretischer Topos, wonach von der Londoner City aus die Welt beherrscht wird.

Die Hartz IV-Schule

Di 25.11.08 ~ 20:00 Uhr

Die Schüler der Wattenscheider Fröbelschule erleben die Folgen der Arbeitslosigkeit im täglichen Leben – und werden im Unterricht schon auf die eigene Arbeitslosigkeit vorbereitet. Die 16-Jährige Andrea wollte früher Krankenschwester werden. Inzwischen geht sie allerdings davon aus, dass das nicht klappen wird. Dafür hat sie in der Schule gelernt, wie man am besten mit 345 Euro im Monat auskommt, dem Regelsatz für „Hartz IV“. Laura und Jasmin gehen noch in die achte Klasse. Sie kommen selten vor zehn Uhr in die Schule – „Mittagschicht“ nennen sie das. Michelle ist die Jüngste, elf Jahre alt, und seit der dritten Klasse auf der Fröbelschule. Michelle wird hier komplett versorgt. Sie isst mittags die Suppe von der Wattenscheider Tafel. Viele Kinder kommen ohne Frühstück zur Schule. Bei so viel anderen Problemen bleibt der reguläre Lehrplan oft auf der Strecke.
Ein Film über Kinder, die zu Hause wenig haben und in der Schule darauf vorbereitet werden, die Probleme ihrer Eltern zu erben.

R.: Eva Müller / 90 min / D 2007 (Doku)

anschließend: Diskussion

B12 Lichtspiele

Di 04.11.08 ~ 21:00 Uhr

Ete und Ali

Gemeinsam werden Ete und Ali am gleichen Tag aus der Armee entlassen. Während die meisten rasch in den Zug nach Hause steigen, bleiben Ete und Ali unschlüssig zurück. Ali ist in einem trostlosen Kaff zu Hause, wo ihn niemand erwartet, und Ete hat gerade erfahren, dass ihn seine Frau betrügt. Die Freunde sind denkbar verschieden. Ali ist ein gutmütiger, etwas tolpatschiger Riese und ein Energiebündel. Ete hingegen ist klein und schüchtern. Ali schlägt vor, dorthin zu fahren, wo es die schärfsten Mädchen geben soll, nach Prag oder Eisleben, doch die Pässe liegen zu Hause. Schließlich fahren sie doch in Etes Heimatort, und Ali will seinem Freund beistehen, sowohl bei dem Rausschmiss von Marys Liebhaber als auch bei der Versöhnung der beiden.

R.: Peter Kahane / 92 min / DDR 1984

Di 11.11.08 ~ 21:00 Uhr

Sobibor

Ausgehend von einem Gespräch, das Yehuda Lerner ihm 1979 gewährt hatte, als Claude Lanzmann Shoah drehte, entstand der Film SOBIBOR, 14 OCTOBRE 1943, 16 HEURES – Ort, Tag, Monat, Jahr, Stunde des einzigen jemals gelungenen Aufstands in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Auf die Fragen antwortet Yehuda Lerner mit klaren und einfachen Worten, zu seinem Schicksal als 16-jähriger Zwangsarbeiter im Vernichtungslager Sobibor und seine dortige Teilnahme an der Revolte unter Führung von Alexander Petscherski am 14. Oktober 1943.

R.: Claude Lanzmann / 95 min / F 2001 (Doku)

Di 18.11.08 ~ 21:00 Uhr

LExil presents:

Persepolis

Ein Mädchen – ein Krieg, eine Revolution, drei Kulturen, und doch ein Lachen auf den Lippen. Marjane erzählt über ihr Leben im Iran, ihre Familie, das Exil in Österreich und über ihre Sehnsüchte und Hoffnungen auf eine bessere Welt. Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud verfilmen Satrapis Kultcomic als preisgekrönten Animationsfilm. Ein Meisterwerk und ein unterhaltsames Plädoyer für Toleranz.

R.: V. Paronnaud, M. Satrapi / 95 min / F 2007

Di 25.11.08 ~ 20:00 Uhr

ak b12 Reihe „Ostdeutsche Verhältnisse“:

Die Hartz IV-Schule

Die Schüler der Wattenscheider Fröbelschule erleben die Folgen der Arbeitslosigkeit im täglichen Leben – und werden im Unterricht schon auf die eigene Arbeitslosigkeit vorbereitet. Die 16-Jährige Andrea wollte früher Krankenschwester werden. Inzwischen geht sie allerdings davon aus, dass das nicht klappen wird. Dafür hat sie in der Schule gelernt, wie man am besten mit 345 Euro im Monat auskommt, dem Regelsatz für „Hartz IV“. Laura und Jasmin gehen noch in die achte Klasse. Sie kommen selten vor zehn Uhr in die Schule – „Mittagschicht“ nennen sie das. Michelle ist die Jüngste, elf Jahre alt, und seit der dritten Klasse auf der Fröbelschule. Michelle wird hier komplett versorgt. Sie isst mittags die Suppe von der Wattenscheider Tafel. Viele Kinder kommen ohne Frühstück zur Schule. Bei so viel anderen Problemen bleibt der reguläre Lehrplan oft auf der Strecke.
Ein Film über Kinder, die zu Hause wenig haben und in der Schule darauf vorbereitet werden, die Probleme ihrer Eltern zu erben.

R.: Eva Müller / 90 min / D 2007 (Doku)

anschließend: Diskussion

Kommunistische Solidarität mit Israel

Mi 30.07.08 ~ 19:00 Uhr

Eine Linke, die nicht solidarisch auf Israel bezieht, ist nicht links, nicht radikal, nicht kommunistisch genug. Aber eine Solidarität mit Israel, die nicht kommunistisch orientiert ist, bleibt wirkungslos. Sie versteht den Antizionismus, den Hass auf Israel in seinem Zusammenhang mit der kapitalistisch verfassten Warengesellschaft nicht. Der Vortrag drängt gleichermaßen auf Festhalten an bedingungsloser Solidarität mit Israel und an kommunistischer Kritik. Denn: Solange es immer noch diese Art von Gesellschaft gibt, solange droht sie auch nach wie vor in Vernichtung umzuschlagen. Und: solange bedarf es ihrer kommunistischen Überwindung. Solange bedarf aber auch der Staat derer, die in der kapitalistisch verfassten Welt keine Heimat finden können, kompromissloser Unterstützung.

Referent: Martin Dornis

anschließend: Diskussion

Was ist Ideologie?

Fr 11.07.08 ~ 19:00 Uhr

Das notwendig falsche Bewußtsein im Kapitalismus

In Vortrag und Diskussion sollen folgende Fragen diskutiert werden: Was meint man mit Ideologie? Was genau ist: Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus? Was verbindet und was unterscheidet diese Ideologien? Welche Rolle spielen sie in rechten und linken Weltbildern? Was haben diese Ideologien mit der kapitalistischen Gesellschaft zu tun? Und: wie ist auf diese Ideologien zu reagieren, was lässt sich gegen sie unternehmen?

Referent: Martin Dornis

anschließend: Diskussion

Strike Bike – Eine Belegschaft wird rebellisch

Di 08.07.08 ~ 21:00 Uhr

Voller Wut besetzten die Kolleginnen der Fahrradfabrik Bike Systems in Nordhausen am 20. Juli 2007 ihren Betrieb. Als die Geschäftsführung der gekündigten Belegschaft an ihrem letzten Arbeitstag mitteilte, daß der neue Eigentümer Lone Star nicht mal mehr die Abfindungen und ausstehenden Löhne bezahlen wollte, war das Maß voll. Was folgte, war eine 115 Tage andauernde Betriebsbesetzung. Als Höhepunkt organisierten die Streikenden noch einmal eine Fahrrad-Produktion. Die 1800 „Strike Bikes“ stellten sie in Eigenregie in ihrem Betrieb her.

R.: R. Pritzkow, L. Rumpff , J. Weiser / 45 min / D 2008 (Doku)

anschließend: Diskussion mit Jan Weiser (RSB Leipzig)

20 Ritterinnen

Fotoausstellung

Mo, Die, Do, Fr 18°° -24°° Uhr

Ein Traum von Postfaschismus

Fr 27.06.2008~ 19:00 Uhr

Der deutsche Sonderweg im Fußball und die Intimisierung der Nation

Während der aktuellen Fußball-Europameisterschaft der Männer mühen sich die Landsleute einmal mehr um gute Laune aus nationaler Verpflichtung. Alles soll wieder werden wie 2006, als mit teutonischem Furor deutsche Lockerheit inszeniert wurde.
Deutschland geil zu finden, erscheint inzwischen als der ultimative Ausdruck postnazistischen Nationalbewusstseins – irrer Einstand von kulturindustriellem Thrill und gemeinem Wohl, der auf Obszöneres geht als kaltes Vergessen. In einem Atemzug wird der Ausgang eines Elfmeterschießens mit dem Leben nach Auschwitz abgehandelt: »Trotz unserer Vergangenheit«, so die stereotype Leier, könne man, dank 23 mäßig begabter Kicker, »endlich wieder« »stolz auf Deutschland« sein. So verwandelt sich jede schwarz-rot-goldene Lappen wedelnde Fanfestmasse zwanghaft in einen kollektiven Gesamtwalser. Wehe also den ewigen Miesmachern und »Bedenkenträgern« (Kicker), die uns den Spaß verderbern wollen.
Grund also, sich jenem deutschen Sonderweg im Fußball näher zu widmen, welcher von den völkischen Reinheitsvorstellungen des Deutschen Fußballbunds bis zu Sönke Wortmanns Traum von einem rot-grünen »Wunder von Bern« führt. Gehen soll es dabei u.a. darum,
- wie im ständigen Gerede über jene »deutschen Tugenden« namens Fleiß, Kampfgeist und Siegeswillen, das nationale Selbstgespräch aktualisiert und auf ewig fortgeführt werden kann;
- wie dieser verdruckste Stolz auf die eigene Unzulänglichkeit dem Ressentiment gegen Geist und Geld, gegen »brotlose Künstler« und »satte Millionäre« eine neue Heimstatt zu geben vermochte;
- wie im inzwischen hochsexualisierten Fanspektakel – an dem ja nunmehr, wie überall stolz verkündet wurde, beide Geschlechter teilhaben – sich der Beitrag des Fußballs zum postfaschistischen Erfolgsgeheimnis vollendet: die Intimisierung der Volksgemeinschaft;
- und inwiefern das Spiel selber seiner deutschen Inszenierung zwar einerseits entgegenkommt, andererseits aber doch um so vieles schöner sein könnte, wenn die Landsleute nicht ständig alles kaputt machen würden.

anschließend: Diskussion

Der Begriff des Antiimperialismus

Fr 13.06.08 ~ 19:00 Uhr

„Freiheit der Völker!“ Das bedeutet: Die Ablehnung von Fremdherrschaft, also völkische Selbstbestimmung. Aber ist es nicht gleich beschissen, ob man von Einheimischen oder Ausländern beherrscht wird? Und ist vielleicht sogar beides noch besser, als organischer Bestandteil eines völkischen Kollektivs sein zu müssen? Aus irgend einem verfluchten Grund mag die heutige Linke Völker. So sehr, dass der Antiimperialismus vielleicht sogar das verbindende Element der Linken weltweit ist. Zudem eins, was sie mit Rechten verbindet.
Lenin, der den Begriff in die sozialistische Bewegung trug, waren Völker noch egal. Trotzki betrachtete später nationale Befreiung als Hebel der sozialistischen Revolution; hatte also ein instrumentelles Verhältnis zu Volksbewegungen. Zur Zeit des Antikolonialismus schließlich wurde nationale Befreiung selbst als Ziel propagiert: Der linke Antiimperialismus als Bewegung war geboren.

Theorie und Praxis

anschließend: Diskussion

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Die 20.05.08 ~ 20:00 Uhr

Potzlow, Brandenburg, 450 Einwohner. Im Juli 2002 wurde hier der 17-jährige Marinus von drei Jugendlichen brutal gefoltert, zu Tode misshandelt und in eine Jauchegrube verscharrt. Matthias war Marinus Freund und hat seine Leiche ausgegraben. Seitdem ist er traumatisiert und leidet unter schweren Depressionen. Nun sucht er einen Neuanfang. Er sei nur verstockt, sagt sein Vater, er ruhe sich darauf aus, auf der „schlimmen Sache“, und früher hätte man sich mehr um die Kinder gekümmert. Die Eltern sind schuld, sagt der Bürgermeister, und die Medien wollen nur schnelle Antworten, dabei sei doch die Tat nicht geplant gewesen, die wollten nur mal die Sau rauslassen.
Man hat darüber geredet, aber „ irgendwann muss das mal wieder aufhören“. Potzlow ist zur Tagesordnung zurückgekehrt: man trinkt, kifft und trinkt. Ergötzt sich an scheinbar harmlosen Spielen. Spielchen, bei denen einer immer der Unterlegene ist. Wer grübelt, der ist schwach, einer wie Marinus, einer wie Matthias.

R.: Tamara Milosevic / 65 min / D 2005 (Doku)

anschließend: Diskussion

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